Montag, 21. Juli 2014

Ich bin mit dem Fahrrad hergekommen...

Interview: Patrick Kehrer
Artikel: Kristin Eichhorn

Louisa Hoppe ist 23. In Chemnitz hat sie osteuropäische Politik studiert. Während ihres Studiums hat sie Interesse für Rumänien entwickelt. Doch viele ihrer Fragen konnten weder Professoren noch die vorhandene Literatur beantworten, daher ist sie als Erasmus-Studentin nach Cluj-Napoca gegangen. Hier kam sie mit der Protestbewegung gegen den Goldabbau in Roșia Montană in Kontakt und wurde mit aufsehenerregenden Aktionen selbst zu einer Aktivistin. Wir haben sie an einem frühlingshaften Samstagnachmittag in einem Berliner Café getroffen und konnten in einem Interview ihre Sicht zu der Protestbewegung und der Zivilgesellschaft erfragen.

GR: Louisa, wie hat sich dein persönlicher Bezug zu Roșia Montană entwickelt? Wie bist du auf die Bewegung aufmerksam geworden?
LH: Ich war in meinem Erasmus-Semester in Cluj. Da hat mir eine Freundin aus Wien, die Jura studiert, dann erzählt: ‚Ich kann es gar nicht glauben, die wollen die vier Berge wegbomben. Das ist hier ganz in der Nähe.‘ Damals wusste ich noch nicht wovon sie redet. Dann habe ich mich etwas dazu belesen, aber das war es dann auch erstmal. Ich war ja mit meinem eigenen Studium beschäftigt. Dann habe ich mich entschieden mein Erasmus zu verlängern. Im zweiten Semester in Cluj bin ich abends in die Bars losgezogen und habe Aktivisten kennengelernt. Und überall war auch der Stencil von Roșia Montană. In Cluj ist das eigentlich sehr sichtbar. Da kommt man gar nicht drumherum, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht. Dann habe ich angefangen mich mehr und mehr zu informieren und bin zum FanFest. Da waren viele tolle Menschen. Die Zivilgesellschaft saß da in den Bergen mit ganz viel Musik und Liebe zu Natur. Dann war für mich klar, dass ich nicht weiter nach Asien ziehe, wie eigentlich der Plan war. Ich habe mich dann in Roșia Montană verliebt und beschlossen, dass ich ein bisschen bleiben werde.

GR: Kaum ein halbes Jahr später bist du unter dem Motto ‚Wir lieben RoșiaMontană‘  mit dem Fahrrad durch Europa gezogen und hast versucht Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen. Wie kam es dazu und was hat dich angetrieben?
Salvati Rosia Montana
"von Danny Williams (flickr.com) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons"
LH: Auf diesem Festival habe ich Tica kennengelernt. Der ist da rumgesprungen und gesagt hat: ‚Ich bin mit dem Fahrrad hergefahren. Ich bin mit dem Fahrrad hergefahren.‘ Wir haben uns unterhalten und das war der Anfang der Geschichte. Also für mich ist das immer noch ganz spannend. Ich begreif es noch nicht wirklich was da passiert ist. Das war ja erst letztes Jahr und ging ja ganz schnell. Ich wollte eigentlich Rumänien verlassen, obwohl ich das Land liebe. Ich glaube Tica war so ziemlich der Erste der sehr offen mit mir geredet hat, der überhaupt kein Blatt vor den Mund genommen hat.
Er hat mir erzählt, dass er allein mit dem Fahrrad aus Kopenhagen gekommen ist, da er sich einsetzen wollte. Dasselbe Gefühl hatte ich diesem Moment ja auch. Ich saß da und habe mich gefragt, wie ich da eigentlich da helfen kann. Ich fand es schön, was er gemacht hat und habe es auch bewundert, aber ich wusste nicht genau wie er damit hilft. Im großen Kontext hat es ja keinen Unterschied gemacht. Ich fand es sehr konstruktiv, dass er mich fragte, wie ich es besser machen würde. Das wusste ich ja auch nicht und hab ihm gesagt: ‚Machs einfach nochmal, mache es einfach größer und rede mit mehr Menschen auf dem Weg. Mache es nicht alleine. Alleine kann man Roșia Montană nicht retten!‘ Irgendwie hat er sich meinen Kontakt rausgesucht und mich auf Facebook angeschrieben. Er schrieb, dass er entweder im nächsten Jahr rennt, oder jemand mit ihm auf einem Tandem fahren muss. Und da hat er mich dann gefragt, ob ich mit ihm auf dem Tandem fahre.
Ich habe eine sportliche Karriere hinter mir. Also ich war 8 Jahre professionelle Handballspielerin. Ich habe mir das dann als Aufgabe genommen. Dann ging es plötzlich nur noch um das wie. Wir haben und ganz schnell entschieden und über ein halbes Jahr organisiert und nebenbei versucht uns über das Internet kennenzulernen, da wir ja über sechs Wochen auf engsten Raum sein würden. So ist das entstanden.

GR: Wie genau ging es dann weiter und wie groß war die Resonanz?
Man hat ja Erwartungen, wenn man sowas plant. Man fragt sich: ‚Was könnte jetzt passieren?‘ Wir haben das dann einfach durchgezogen, uns vernetzt, Equipment organisiert und Fundraising gemacht. Ich habe die Events organisiert - Also wo können wir hin? Mit wem reden wir? Welche Präsentation können wir machen? So habe ich die Kampagne auch kennengelernt und drüber angefangen zu forschen.
Auf der Tour waren das dann 12 Stationen in denen wir über Roșia Montană gesprochen haben. [Route: http://weloverosia.eu/die-route/ ] Auf dem Weg natürlich mit jedem. Das war ja das Ziel der Tour: Sehr sichtbar zu sein mit einem fünf Meter langen Rad. Und Jeder der gefragt hat, dem haben wir es dann auch erzählt. Die Leute waren meistens erstaunt: ‚Wirklich Europas größte Goldmine in Rumänien? Wie kommt das denn?‘ Es war auf jeden Fall ganz viel Interesse da. Wir waren jung, lachend aber mit einer riesigen Mission. Protestsolidaritätstour.
Viele Leute haben interessiert reagiert. Sie haben gefragt, wie man da helfen kann. Das war auch die Frage, die wir uns selbst auf der Tour beantworten mussten. Wie kann man denn tatsächlich helfen? Mit einer Fahrradtour ja nicht! Da kann man nur Aufmerksamkeit schaffen. Unsere Antwort war dann oft: ‚Findet es heraus. Wir geben die Informationen und ihr müsst selbst entscheiden. Am besten ist es schon dahin zu fahren und es sich anzusehen. Wenn ihr richtig Bock habt, dann zieht dahin. Schreibt Karten mit Solidaritätsgrüßen. Lasst die einfach nicht alleine. Was auch immer ihr machen könnt, macht es einfach, wenn ihr wollt.‘ Ich denke, dass wir schon ein paar Leute angesteckt haben. Das war der Größte Erfolg und das war ja auch das Ziel.
Und für uns persönlich war das Endresultat, dass ich nochmal nach Cluj gezogen bin. Ich habe angefangen über diese Kampagne zu forschen. Ich wollte auch als Wissenschaftlerin beitragen. Und Tica ist mit seinen 21 Jahren direkt nach Roșia Montană gezogen. Seit ganz langem mal wieder ein Zuzug! Er arbeitet jetzt mit Kindern und baut in Roșia jetzt so ein Pfadfindercamp auf. Das war unsere Idee auf der Tour: Wenn man wirklich helfen will, muss man hinziehen und die neue Generation stützten. Die alten Generationen sind verhasst. Die Kinder müssen zusammen wieder spielen. Und das macht er jetzt. Das ist großartig. Das war so das Resultat und die Resonanz der Tour. Das hat aber auch Wellen und Wurzeln geschlagen. Wir werden immer mal wieder von Leuten kontaktiert, die Interesse zeigen.
Wir sind weiterhin „We love Roșia Montană“ - aber im Endeffekt sind wir auch nur Tica und Louisa. Die Tour war auch zwischenmenschlich sehr anstrengend. Wir haben uns nicht in die Haare bekommen, aber es war anstrengend. Wir waren immer voll auf 180. Weder auf dem Fahrrad, noch bei den abendlichen Präsentationen, noch bei den drei, vier Stunden Schlaf irgendwo in einer Ecke im Zelt konnten wir uns entspannen. Wir waren voll in der Mission. Es war dann wichtig dass wir getrennte Wege gehen. Jetzt sind wir auch befreundet. Wir besuchen einander. Wir reden was wir individuell machen, aber wir machen weniger zusammen. Ich habe ja in Cluj geforscht und Tica in Roșia hat dieses Camp aufbaut. Dort greift er aktiv den lokalen Leuten unter die Arme. Ich bin mir grade nicht sicher wo ich am besten helfen kann und wo ich hingehöre. We love Roșia Montană wird weitergehen, wie ist aber grad noch unklar.



In Teil zwei erklärt Louisa Hoppe, welche Bedeutung der Protest für die rumänische Zivilgesellschaft spielt. 

Dienstag, 1. Juli 2014

Sichtbarkeit der Proteste im öffentlichen Raum

Kristin Eichhorn


Die soziale Bewegungen in Rumänien zeigen sich nicht nur im Rahmen von Demonstrationen und Kundgebungen der Öffentlichkeit. Vielmehr werden auch im Rahmen gezielter Werbe- und Infokampagnen sowie Straßenkust der Bewegung ein Denkmal gesetzt. In welcher Form sich der Prostest und die Bewegung in das Stadtbild eingliedert, ist je nach Ort unterschiedlich. Im Folgenden möchten wir unsere Beobachtungen greifbar machen. 

Pungesti


Pungesti ist eher rural geprägt. Das Dorf wird hauptsächlich von Kleinbauern bewohnt und besteht aus vornehmlich kleinen Bauernhäusern. In dieser ländlichen Idylle ist der Protest gegen Fracking klar sichtbar.

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Cluj Napoca


Cluj verstehen wir als das Herz der “Save Rosia Montana” Bewegung. Da hier das Büro der Bewegug ist, findet man selbstverständlich auch im öffentlichen Raum viele Ausdrücke des Protests. Auffällig ist aber das die klassischen Stencils bereits der Vergangenheit anzugehören scheinen. Wenn man noch eins findet, ist es oft von der Sonne verbleicht oder wurde bereits übersprayt. Trotzdem entdeckt man viele Ausdrücke der Verneinung des Goldabbaus in Rosia Montana.

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Rosia Montana

Obwohl Rosia Montana ein Dorf ist, unterscheidet es sich gänzlich von Pungesti. Mit Blick auf die Architektur und Symbolik an den Wohnhäusern erkennt man klar den Bergbauhintergrund. Auch hier ist der Protest gegen den Goldabbau sichtbar. Die Besonderheit ist allerdings, dass es neben den Protestzeichen auch viele Zeichen und Symbole der Befürworter sichtbar sind. Es scheint fasst so, als ob durch Banner und Plakate die Räume der jeweiligen Gruppen demarkiert werden. 

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Donnerstag, 12. Juni 2014

Tag 10&11: Wir erkunden Bukarest.

Kristin Eichhorn

Nach vielen spannenden Gesprächen und zahllosen Stunden im Auto gönnten wir uns eine Auszeit in Bukarest. Diese ist nicht unbedingt durch mangelnde Motivation, sondern zum Teil durch den Sonn- und folgenden Feiertag begründet.

Nun

 Gemeinsam erkundeten wir die Stadt. Hierbei stellten wir fest, dass wir kaum noch Save Rosia Montana Sticker und Stencils finden konnten. Am Sonntag waren wir auf dem Univertsitätsplatz, an dem sich angeblich noch immer Protestanten treffen. Das war an diesem Sonntag nicht der Fall. 

Ist Growing Roots nun also vorbei? Nein, denn wir haben noch einige Skypeinterviews mit rumänischen Stakholdern und Interviews in Berlin. Des weiteren verarbeiten wir in den kommenden Wochen die Ergebnisse und werden hier auf dem laufenden halten.


Außerdem präsentieren wir unsere Zwischenergebnisse im Rahmen unseres Projektkurses an der FU Berlin. Interessierte sind herzlich eingeladen: Freitag, 13.06. um 11 Uhr im Hörsaal A des Osteuropa Instituts (Garystraße 55). 

Wir sind mehr als motiviert weiter zu machen.  


Mittwoch, 11. Juni 2014

Tag 9 - Rückreise nach Bukarest

Sören Haberlandt und Kristin Eichhorn

Nach einer deutlich undramatischeren Nacht haben wir am Morgen ein Gespräch mit Sorin Jurca, dem Gründer und Leiter der Cultural Foundation. Ihr Ziel ist es Alternativen zum Projekt der RMGC zu entwickeln. Seit 2007 bieten sie gefördert durch die Soros Foundation den Dorfbewohnern verschiedene Qualifizierungskurse, beispielsweise Computerkurse oder Agrotourismus-Kurse, an. Diese wird als Methode versanden um die Präsenz der RMGC ein Gegenstück zu geben. Verhandlungen mit der RMGC zur Gestaltung des Protests versteht Sorin grundsätzlich als Fehler, da es keinen Kompromiss gibt, der das Projekt annehmbar machen könnte. Gleichzeitig hat man aber gute Beziehungen zu Save Rosia Montana Kampagne. Auch Sorin spricht sich gegen eine Politisierung der ökologischen Bewegung aus: Die Teilnehmer der Bewegung seien aus allen politischen Lagern. Im Namen der Bewegung kann daher keine Partei gegründet werden, oder Führungsanspruch wahrgenommen werden.



Danach versuchen wir es erneut bei den Befürwortern. Zunächst gehen wir zum Informationsbüro der RMGC am Marktplatz. Ein Schild an der Tür weißt aber darauf hin, dass aufgrund der Einsparungen das Büro nicht mehr betrieben werden kann. Unser nächster Weg führt und zum Museum der Minenarbeit in Rumänien. Auch hier ist nichts zu machen.


Um die Mittagszeit verlassen wir mit gemischten Gefühlen Rosia Montana. Wir haben eine mehrstündige Fahrt vor uns, die uns über Ploiesti nach Bukarest führen soll. Leider haben wir in Sibiu und Brasov keine Zeit und passieren die Städte nur.


In Ploiest treffen wir Sandu Popescu. Im Dezember trat er für 22 Tage in den Hungerstreik um gegen Fracking, das Rosia-Monta-Projekt, Korruption und fehlende Rechtsstaatlichkeit zu demonstrieren. Heute trägt er ein Save Rosia Montana T-Shirt, sitzt mit uns in einem Cafe an der Hauptstraße und reflektiert seine Erfahrungen, Einschätzungen und Ausblicke. So begründet er seinen “anti-system”-Protest mit seiner Enttäuschung aus den Demonstrationen 2013, einer starken Aversion gegenüber der Funktionsweise des rumänischen Staates und dem damit verbundenen Ziel seinen Kindern ein besseres Leben zu bieten. Dabei sollten die Bewegungen um Pungesti und Rosia Montana seinen Vorbild folgen und nicht als single-issue denn als multi-issue Gruppierungen auftreten, da nur so ein politischer Wandel möglich wäre. Hierbei sieht er sich aber weder in politischer noch symbolischer Funktion. So sagte er, dass er keine Bilder von sich verbreitet sehen will. Abschließend weist er uns noch auf seine nächste publikumswirksame Aktion hin, die in nächster Zeit stattfinden soll. Details dazu werden auf seiner Facebook-Seite bekanntgegeben.


Danach fahren wir in Richtung Bukarest. Obwohl wir den Samstag in der Großstadt nutzen wollten, scheint dies nach 11 Stunden Fahrt unrealistisch. Morgen ist auch noch ein Tag.  

Sonntag, 8. Juni 2014

Tag 8 - Die Frostbeule; oder: in den roten Begen sitzen wir

Sören Haberlandt, Kristin Eichhorn




Nach einer nächtlichen durch Kälte induzierten Nahtoderfahrung (Kristins Kommentar zur Gesamtsituation: “Ja, in den Bergen kann es schon mal 'was kühler werden.”), wurde beschlossen im Geiste der Humanität in der folgenden Nach ein befestigtes Quartier zu beziehen. Nichtsdestotrotz waren die Gespräche im Laufe des Tages sehr bereichernd.
Am Morgen wachen wir neben einem der bereits verlassenen Häuser auf. 
Zunächst trafen wir uns mit Eugene David, dem Vorstand des lokalen Vereins Alburnus Maior. Er beschreibt Alburnus Maior als den Nukleus der Protestbewegung. Alle anderen Vereine und Bewegungen auf lokaler Ebene sind seines Erachtens fremdfinanziert und illegitim. Insbesondere die apolitische Haltung des Vereins war ihm wichtig. Ziel ist der kompromisslose Stopp des Projektes.

Danach trafen wir den Bürgermeister Eugene Furdui.. Für ihn zählt in erster Linie der ökonomische Vorteil. Er ist überzeugt von der rechtmäßigen Durchführung des Projekts. Des Weiteren ließ er anmerken, dass er die zentrale Rolle der Zivilgesellschaft nicht sieht. Die Risiken des Projektes sein nicht nachvollziehbar, er verlässt sich auf die Experten.
Im Gespräch mit Catalin Hosu. 
In Rosia Montana hatten wir außer einen Termin mit Catalin Hosu, dem Pressesprecher der RMGC. In einem ausführlichen Gespräch und mit mehreren Skizzen erklärte er uns seine Sicht auf das Projekt und die Proteste. Kritisch war er insbesondere der Finanzierung und den Strategien der Protestler gegenüber. So sei die zentrale Strategie der Bewegung nicht nur „Fehlinformation“ zu streuen, hinzukommend seien die Aktivisten nicht zu Gesprächen mit der RMGC bereit. Trotzdem klassifiziert er die Protestbewegung als erfolgreich, da bisher offensichtlich noch kein Gold abgebaut wird. Mit Blick auf das von mehreren Personen angesprochene Gerichtsverfahren von Gabriel Ressources gegen den rumänischen Staat, sagte er das es sich hierbei um Gerüchte handelt und verwies uns aber gleichzeitig auf die nächste Woche stattfindende Aktionärshauptversammlung.

Danach versuchten wir verschiedene Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen zu treffen, die sich hinter das Projekt stellen. Beispielhaft hierfür stehen der studentische Minenverband ASRM, die Minengewerkschaft, und der Verein Pro Rosia Montana. Wenn es wirklich so ist wie Catalin Hosu sagt, dass 72 % der Bewohner des Dorfes für den Goldabbau sind, dann sollte es ja nicht so schwer sein, jemanden zu finden, der mit uns sprechen möchte. Fehlanzeige. Hosu sagte bereits, dass die Gewerkschaft nicht mehr aktiv ist, insbesondere seit der Entlassungswelle im April. Der Leiter von pro Rosia Montana, Dr. Andrei Jurca, erreichen wir nach mehrmaligen weiteren probieren doch am Telefon. Schroff wurden wir abgewiesen. Man würde Leute wie uns kennen...
In Rosia Montana findet man sowohl für als auch gegen den Goldabbau Werbung.

Später am Abend treffen wir Tica Darie mit dem wir einen kleinen Spaziergang durch das Dorf machen. Mit ihm sprechen wir über sein Engagement für „We love Rosia Montana“, aber auch über die Atmosphäre im Dorf. Seit einem Jahr lebt er hier und hat einen Pfadfinderverband ins Leben gerufen. Die Fronten im Dorf seinen festgefahren und machten auch vor Familien kein Stopp: So sei der Vorstand von Pro Rosia Montana der Onkel des Vorstandes von der Cultural Foundation – eine Oppositionsgruppe. Hier wurde uns auch klar, warum niemand mehr mit uns sprechen wolle: Die Cultural Foundation ist eine der wenigen Unterkünfte in Rosia Montana. Hier haben wir am Morgen Quartier bezogen. Selbstverständlich wird dies als Ausdruck unserer Meinung verstanden.



Tag 7 - Nächtliche Odyssee in die Berge - wir erreichen Rosia Montana

Kristin Eichhorn

Heute war unser letzer Tag in Cluj Napoca. Da unsere Gepsräch erst am Nachmittag begonnen, konnten wir den Vormittag zur Auswertung der bisher geführten Gespräche verwenden und die kommenden Tage planen.

Am Nachmittag trafen wir uns mit dem Parlamentarier Adrian Gurzau. In das Parlament zog er mit einem Mandat der PDL, kürzlich wechselte er aus Loyalität zum Präsidenten in dessen neu gegründete Partei PMP. Insbesondere da zwei Tage zuvor das Gesetz zum Goldabbau in Rosia Montana vomParlament mit nur einer Gegenstimme abgelehnt wurde, war das Gespräch für uns von Interesse. Daher thematisierten wir die Meinungsentwicklung der politischen Eliten sowie der Rolle der zivilgesellschaftlichen Einflussnahme. Wir fragten Gurzau, warum bestimmte ökologischen Problematiken thematisiert werden, während andere unbeachtet bleiben. Die Antwort hat uns erstaunt: So sei Masse der Bürger, die eine bestimmte Meinung vertritt relevanter als der Inhalt. Folglich basiert rumänisches Agenda-Setting nicht auf Inhalten. Leider konnte er das angedachte Treffen mit Oana Bock, Frau des Bürgermeisters und Befürworterin der Save Rosia Montana Bewegung, nicht arrangieren.
By Andrea12345 (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons 
Außerdem konnten wir Hans Hedrich treffen. Der Betreiber des Blogs “Neuer Weg” bezeichnet sich selbst Bürgerrechtsaktivist, ist jedoch seit zwei Jahren nicht mehr Mitglied der Save Rosia Montana Kampagne. Er bezeichnete die Strategien der Kampagne als eine sehr spezielle aber auch effektive Herangehensweise: Durch die wiederholten Klagen gegen RMGC wurde die Gold Kooperation mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Dies sei eine Besonderheit, da Rumänien keine zivilgesellschaftliche Kultur habe. Erneut werden wir darauf hingewiesen, dass der rumänischen Ökobewegung die 68er-Revolution fehlt.
Im Gespräch mit Hans Hedrich.

Leider haben am Abend den Fotografen und Filmemacher Vlad Petri verpasst. Im Rahmen seier Ausstellung zu den Protesten in Bukarest war ein Gespräch angedacht, welches er aufgrund des hohem journalistischen Interesse nicht wahrnehmen konnte. Aufgrund des vorherigen persönlichen informellen Gesprächs wurde uns aber ein zukünftiges Gespräch in entspannter Atmosphäre zugesichert.


Dafür hat sich aber kurzfristig ein weiterer Termin für den folgenden Tag in Rosia Montana ergeben. Aus diesen Grund verließen wir Cluj Napoca bereits am Abend und erreichten Rosia gegen 1 Uhr nachts, wo wir neben einem verlassenen Bauernhaus unser Zelt aufschlugen.  

Donnerstag, 5. Juni 2014

Tag 6 - Medien, Kommunikation und die orthodoxe Kirche

Bereits um 10 Uhr hatten wir unseren ersten Termin. Mit Mihai Gotiu trafen wir uns zum Frühstück. Wir sprachen mit ihm über seine journalistische Arbeit und seine aktuelles Buch zu Rosia Montana. Hierbei thematisierten wir auch die Verbindung lokaler, nationaler und internationaler Akteure in der Bewegung. Mit Blick auf die Proteste 2012 und 2013 sagte er, die Tatsache, dass Tausende auf die Straße gegangen sind, hätte die Politik ignorieren können. Die Verankerung der Bewegung in der Gesellschaft kann aber nicht ignoriert werden.

Danach besuchten wir das Büro der Save Rosia Montana Kampangne. Hier trafen wir Roxana Pencea. Mit ihr sprachen wir insbesondere über die verschiedenen Ebenen des Protests und wie die Thematik der Save Rosia Montana Bewegung in den nationalen Protesten 2012 und 2013 verarbeitet wurde. Als eine Aktivistin der ersten Generation, ist sie von der Bedeutung der Bewegung überzeugt. Sie erklärte, dass ihrer Meinung nach die Kampagne zu einer gesteigerten politischen Partizipation geführt habe und so der Weg für weitere Bewegungen geebnet wurde. Eine Politisierung der Bewegung durch die Gründung einer Partei lehnt sie ab.
Die Save Rosia Montana Kampange ist im Stadtbild Clujs sehr präsent. 
Unser drittes Gespräch führten wir mit Ralph Rognean. Seine Doktorarbeit beschäftigt sich mit der Rolle der orthodoxen Kirche in Rumänien. Mit uns besprach er ihre Rolle in den sozialen Bewegungen im Spezifischen: So werden nationalistische Aspekte der kolletiven Erinnerung durch die Kirche genutzt. Rosia Montana wurde zu einem Symbol des nationalen Reichtums instrumentalisiert. Er kritisierte die Bewegung insbesondere dafür nur „dagegen“ zu sein und keine konstruktiven Alternativvorschläge zu erarbeiten.
Wir treffen Ralph vor dem Hauptgebäude der Uni. 
Am Abend trafen wir uns in der Babeș-Bolyai-Universität mit Dr. Christian Schuster. Er erklärte uns, dass er Sympathien für die Bewegungen hat, aber nie ein Teil von ihr wurde. Entscheidend hierbei war seine Unzufriedenheit mit den Kommunikationsstrukturen der Kampagne sowie die fehlende Kristallisierung einer gemeinsamen Position, auf welche die Politik antworten könnte. Dies führt er auf ein mangelndes Verständnis der real-politischen Mechanismen zurück. Auch die Dämonisierung der Medien durch die Bewegung kritisierte er.

Obwohl wir sehr erschöpft waren, könnten wir dem Abendprogramm nicht widerstehen: Im Rahmen des Filmfestivals trat die österreichisch-russische Band Russkaja auf.